Grenzen – Europe Calling

 

Mit jeder Unterscheidung, die wir treffen, ziehen wir eine Grenze, erkennbar an der Unterscheidung von „ich“ und „du“. Insgesamt beruht alles Denken, Wahrnehmen und Gestalten auf Unterscheidungen beziehungsweise Grenzziehungen. Brisant werden Grenzziehungen, wenn sie mit Bewertungen verbunden werden und in der Folge schmerzhafte Ausgrenzungen erzeugen. Innerhalb von Gesellschaften führen Unterscheidungen respektive Grenzziehungen diesen Aspekt der Inklusion vs. Exklusion immer mit sich.
Der Kunst, Musik, Philosophie und Literatur, ist es aufgegeben, die Aufmerksamkeit und Sensibilität für die existenzielle Brisanz der Folgen jeder Grenzziehung – oder ihrer Vermeidung – zu steigern sowie die Vielschichtigkeit und den herausfordernden Gehalt des Themas „Grenze“ in diesem Projekt spürbar zu machen.

 

One Minutes Part II

Ein Ausstellungsprojekt von Annette Sellerbeck und Justina Jablonska, präsentiert im Rahmen der Aachener Kunstroute 2018
Mit einer Klanginstallation von Martin Saur

„Der wahre Ort der Begegnung ist die Grenze.“
– Paul Tillich (1886-1965)

Justina Jablonska und Annette Sellerbeck verwandeln die Räumlichkeiten von LOGOI in eine raumgreifende, begehbare Installation, bei der sich Filmsequenzen, die wie Gedankensplitter in den Raum geworfen werden, mit dem Thema Grenze und Grenzerfahrung auseinandersetzen. Diese sog. “One Minutes” – die in die Installation integrierten, einminütigen mal abstrahierten, mal gegenständlichen Filme – lassen den Besucher Dynamik und Bewegung erfahren: die Voraussetzung für Grenzüberschreitungen jeglicher Art.

Die Klanginstallation von Martin Saur, in die er auch O-Töne von Albert Camus einstreut, ist das sinnlich-verbindende Element zwischen Ausstellung und Leseperformance des Grenzen-Projektes. Die eigenständige künstlerische Lautinterpretation vertont die in den One Minutes visualisierten Möglichkeiten von Grenzerfahrung.

Annette Sellerbeck: Kunststudium in Wuppertal und Philosophiestudium in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Herzogenrath und Aachen

Justina Jablonska: Studium der Visuellen Kommunikation an der »Academie Beeldende Kunsten« in Maastricht (NL), lebt und arbeitet in Belgien.

Martin Saur: lebt und arbeitet in Eupen (B).

Gemeinsame Ausstellungen
Aachen, Raum für Kunst: ExBor2, 2016
Hauset, Belgien: One Minutes, 2018

29. und 30.09.
11:00 – 18:00 Uhr
Ort: LOGOI
Eintritt frei (im Rahmen der Kunstroute 2018)

 

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Am Rand. Oder: wie wir unsere Grenzen ziehen. 

Ein Philosophischer Beitrag von Dr. Jürgen Kippenhan, präsentiert im Rahmen der Aachener Kunstroute 2018

Die tieferen Gehalte des Lebens offenbaren sich an seinen Grenzen. Davon zeugen schon Geburt und Tod. Aber auch unsere Haut markiert eine Grenze, durch die existentiell erfahrbar macht, was das Innen vom Außen – und uns als Einzelnen von allen anderen – trennt.
An die eigene Grenze zu kommen, erhält hier eine besondere Dramatik, weil die vereinzelte und unüberwindbar auf sich zurückgeworfene Existenz in ihrer Verletzlichkeit und Endlichkeit spürbar wird. Von daher der wiederkehrende Wunsch, seine Grenzen überschreiten zu können. Das Erschrecken über die Einsamkeit der begrenzten eigenen Existenz sucht so nach Ausblicken und Erfahrungen der Transzendenz, mit deren Hilfe sich die Grenzen verschieben lassen. Aber auch dies wird zur – wenn auch weiterführender – Wiederkehr unentwegter Grenzerfahrungen, in denen wir uns schließlich selbst und die anderen dergestalt wiedererkennen, dass sie uns im Kern ausmachen.

Jürgen Kippenhan hat in Bochum, Bonn und Aachen Philosophie und Sozialwissenschaften studiert. Promotion in Aachen über die Möglichkeit künstlicher Intelligenz. 2009 Gründung von LOGOI Institut für Philosophie und Diskurs in Aachen.

29.09.2018,
18:30 Uhr im LOGOI
Eintritt frei (im Rahmen der Kunstroute 2018)
Keine Anmeldung erforderlich

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GRATWANDERUNGEN

Inszenierte Lesungen

„Für uns jedoch ist Europa jener Boden, auf dem sich seit zwanzig Jahrhunderten das erstaunlichste Abenteuer des menschlichen Geistes abspielt“
– Albert Camus 1944

Inszenierte Lesungen am Grenzübergang Köpfchen, KuKuK und Westwall
Grenz-Texte bekannter und unbekannter Autoren
mit Aufwartungen lebendig dargeboten

„Wenn Sie an Literatur und nachdenklichen Texten interessiert sind, Ihnen aber normale Lesungen zu strapaziös sind, sollten Sie dieses Event ausprobieren“

Es lesen Freunde der Albert Camus Gesellschaft

07.10.2018
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Treffpunkt: KuKuK an der Grenze, Zollhaus am Köpfchen, EupenerStraße 420
Aachen Richtung Eynatten/ Eupen
Teilnahmebeitrag: Eintritt 3,-/5,- €
Vorverkauf im LOGOI

 

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