Zweiter Vortrag – Philosophische Matinee 2014

Dipl.-Kulturwiss. Tanja Munk:

“Armes Kind? – Überlegungen zur angemessenen Erfassung von Kinderarmut”

 06.04.2014, 12:00, LOGOI

Derzeit leiden in Entwicklungsländern etwa 100 Millionen Kinder an Unterernährung. Dieser Umstand ist nicht nur an sich bedauernswert, sondern trägt darüber hinaus auch jährlich zum Tod von etwa 2,6 Millionen Kindern unter fünf Jahren – und damit zu einem Drittel aller Sterbefälle von Kindern weltweit – bei. Auch der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser, Bildung und einer grundlegenden medizinischen Versorgung stellen nach wie vor große Probleme im Leben unzähliger Kinder dar. Es steht außer Frage, dass es diese Formen des Mangels sind, auf deren Beseitigung unsere Bemühungen zur Bekämpfung von Kinderarmut als Erstes abzielen sollten. Dennoch sollten wir unser Verständnis von „Kinderarmut“ nicht allein auf den akuten Mangel an Subsistenzgütern verkürzen. Was wir jedem Kind schulden, ist nicht bloß die Sicherung des nackten Überlebens, sondern die Ermöglichung eines menschenwürdigen Lebens im Kindes- wie auch im Erwachsenenalter. Insoweit in der Phase der Kindheit auch die Voraussetzungen für das Führen eines menschenwürdigen Lebens im Erwachsenenalter gelegt werden, gilt es auch deren Entwicklung zu sichern. Bei einem derartigen Verständnis von Armut kommt man freilich nicht umhin, näher zu erläutern, was eigentlich unter einem „menschenwürdigen Leben“ zu verstehen ist.

Der auf den Nobelpreisträger Amartya Sen zurückgehende „Capability-Ansatz“ stellt eine Möglichkeit zur Erfassung von Armut im Leben Erwachsener dar, und findet an prominenter Stelle Verwendung im Human Development Report der Vereinten Nationen wie auch im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. In meinem Vortrag möchte ich darlegen, inwieweit dieser Ansatz auch für die Erfassung von Kinderarmut fruchtbar gemacht werden kann, und sowohl Raum für die Berücksichtigung einer Vorstellung des menschenwürdigen Lebens als auch des spezifischen „Entwicklungsaspekts“ bietet, der die Phase der Kindheit auszeichnet.

Matinee_April_14_A_schatten

 

Matinee_April_14_B_schatten